Herkunft und Bedeutung

Die Domestikation von Hühnern lässt sich heute auf 5000 bis maximal 7000 Jahre zurückverfolgen. Die ältesten Rassen sind unter den Kampfhühnern zu finden. Auch die Seidenhühner lassen vermuten, dass sie auf Grund ihrer frühen, geschichtlichen Erwähnung ebenfalls zu den ältesten Haushuhnrassen gehören. Gelegentlich wird behauptet, dass die Vorfahren der Seidenhühner aus einer Wildhuhnart der Mongolei und dem Himalaja hervorgehen, deren Domestikation ein sensationelles Alter von 4000 Jahren haben soll.
In der Tat werden aber katzenhaarähnliche Hühner deutlich vor der Zeitenwende beschrieben. Nach der Zeitenwende wird von Schwarzknochenhühnern und im Mittelalter sogar von spektakulären Kreuzungen zwischen Kaninchen und Huhn berichtet. Diese frühen Hinweise haben eins gemeinsam, sie beschreiben unverkennbar die Federstruktur als auch die schwarze Färbung der Haut, welche seidenhuhntypisch ist. Dennoch kann es sich hier nur um Vorläufer der heutigen Seidenhühner handeln. Es gibt nämlich bei diesen Beschreibungen keine Hinweise auf Haube oder Schopf, Fünfzehigkeit, Kammform oder die Zehbefiederung. Dies sind jedoch ohne Zweifel auffälliges Unterschiede zum bankivoiden Ursprungshuhn (rotes Kammhuhn), jedoch deutliche Merkmale der der heutigen Art, welche bestimmt Erwähnung gefunden hätte in den alten Überlieferungen. Zudem lassen die jüngsten und hervorragend dokumentierten, molekulargenetischen Analysen den Tatbestand nicht ganz unwahrscheinlich erscheinen, dass die heute schopftragenden Seidenhühner ihren Ursprung im nordpersischen und südrussischen Raum haben. So gibt es viele Belege über die Seidenfiedrigkeit und die Vorfahren der Seidenhühner, dennoch bleibt der Ursprung der heutigen Seidenhühner wohl immer ein kleines Mysterium.

 

Einige interessante Eckpfeiler sollen aber nicht ohne Erwähnung bleiben: So erwähnte der griechische Philosoph Aristoteles (384-322 v. Chr.) schwarze und weisse Hühner mit "Katzenhaar" aus dem Reich von Mangi, dem heutigen China.

Auch Marco Polo (1254-1324) berichtet 1292 nach seiner Asienreise von schwarzen, katzenhaarigen Hühnern. Jedoch bezweifelt die Geschichtswissenschaft den tatsächlichen Aufenthalt Polos im entfernten Asien unter mongolischer Herrschaft. Nicht vergessen sollte man die Rückreise des Marco Polo. Der eingeschlagene Seeweg führte die Reise über Sumatra, Sri Lanka (Ceylon), Indien und Persien. Es handelt sich zweifelsohne um Stationen, die heute als uralte und nachweisliche Orte ältester Domestikationsgeschichte der Haushühner gelten. Betrachtet man das Auftreten des Seidengefieders als Mutation, so kann dieser genetische Prozess zu jeder Zeit an einer beliebigen Stelle dieser Welt aufgetreten sein. Dunkelpigmentierte Hühner mit Seidengefieder sind aus den oben genannten Ländern Ceylon, Sumatra, Persien und Indien mit Sicherheit bekannt und müssen selbstverständlich in Betracht gezogen werden. Es ist nicht unbedingt auszuschließen, dass Marco Polo auf seiner Rückreise seidenfiedrige Hühner entdeckte.

Der Schweizer Naturforscher Conrad Gesner beschrieb in seinem 1555 erschienen Vogelbuch Historia animalium „schneeweisse Wollhühner“ und es scheint bewiesen, das im 16. Jahrhundert mit zuverlässiger Aussage europäische, seidenfiedrige Hühner bekannt sind.

Johann Matthäus Bechstein (1757-1822) erwähnt schlüssig das Vorkommen von Seidenhühnern in Holland, Westfalen und dem heutigen Bourgogne. Gesner und Bechstein sind so letztendlich jene Schriftsteller, die das Seidengefieder plausibel auf dem europäischen Kontinent dokumentiert haben vor 200 bis höchstens 400 Jahren.

 

Und so sind heute vor allem 3 Theorien, wie die Seidenfiedrigkeit entstehen konnte verbreitet. Eine Theorie geht davon aus, dass die Seidenfiedrigkeit ihren Ursprung in einer Wildhuhnart aus dem Himalaja und der Mongolie hat, die vor 4000 Jahren domestiziert worden war.

Andere Wissenschaftler gehen davon aus, dass es sich um eine Verlustmutation handelt, ähnlich wie beim Vogelstrauss.

Eine weitere These geht davon aus, dass es ein aviatistischer Vorgang sei, was eine Rückentwicklung  einer früheren Stufe auf dem Weg vom Reptil zum flugunfähigen Vogel bedeuten würde.

 

Wie auch immer, das heutige Seidenhuhn ist in der Schweiz seit 1880 bekannt und wird heute weltweit nach Standards gezüchtet, welche sich jedoch wiederum von Land zu Land in Details unterscheiden können.